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Blog, Faktorbasiertes Investieren

Faktorbasiertes Investieren (Teil 5): Die Effekte von Schwankungsarmut und Investitionsverhalten (Low Volatility- & Low-Asset-Growth-Prämie)

Entschlüsselung der wissenschaftlichen Erfolgsfaktoren.

In diesem Teil unserer Reihe schließen wir die Entschlüsselung der wissenschaftlichen Erfolgsfaktoren ab. Wir widmen uns den letzten beiden Faktorprämien des globalen Aktienmarktes. Erfahren Sie, warum die Schwankungsarmut durch die Low-Volatility-Prämie das Risiko-Rendite-Verhältnis Ihres Depots optimieren kann und weshalb eine vorsichtige Investitionspolitik von Unternehmen durch die Low-Asset-Growth-Prämie an der Börse statistisch belohnt wird.

Vorab kurz erklärt:

  • Low Volatility (Schwankungsarmut): Aktien von Unternehmen, deren Kurse im Vergleich zum Gesamtmarkt deutlich weniger stark schwanken und in Krisenphasen meist geringere Verluste aufweisen.
  • Low-Asset-Growth-Prämie (auch „Investment-Prämie“ genannt): das Phänomen, dass Unternehmen mit einer umsichtigen und zurückhaltenden Investitionspolitik langfristig oft bessere Aktienrenditen erzielen als Konzerne mit expansiven Großinvestitionen.
  • Stock-Picking: der Versuch, durch die gezielte Auswahl einzelner Aktien den breiten Markt zu schlagen. Im Gegensatz dazu setzt das wissenschaftliche Faktor-Investing auf das systematische Kaufen ganzer Aktienbündel nach festen Regeln – denn aus wissenschaftlicher Sicht ist es sinnlos, Faktoren im Wege des Stock-Pickings ausnutzen zu wollen.
  • Maximaler Drawdown: eine Risikokennzahl aus der historischen Marktanalyse. Sie misst den maximalen, kumulierten Verlust, den ein Anleger in einem bestimmten Zeitraum vom Höchstpunkt bis zum darauffolgenden Tiefstpunkt mit einer Anlage erlitten hätte. Ein geringerer maximaler Drawdown bedeutet folglich einen besseren Schutz vor extremen Markteinbrüchen.

Low-Volatility-Prämie

Die Low-Volatility-Strategie ist eine der am ältesten und besten erforschten Faktorstrategien. Sie wurde bereits erstmals in den 1970er-Jahren von namhaften empirischen Wirtschaftswissenschaftlern wie Fischer Black1, Robert A. Haugen und Arthur J. Heins2 untersucht.

Im Unterschied zu anderen Faktoren bringt eine Low-Volatility-Strategie langfristig keine Mehrrendite gegenüber dem breiten Markt. Ihr eigentlicher Nutzen liegt darin, eine in etwa vergleichbare Marktrendite bei geringerem Risiko zu erzielen. Das Ziel dieses Ansatzes ist es schlicht, das Verhältnis von Risiko und Ertrag für Ihr Depot zu optimieren.

Wissenschaftlich bemerkenswert ist dabei, dass Aktien mit geringeren Schwankungen eine höhere risikoadjustierte Rendite aufweisen auf, als es die klassische Kapitalmarkttheorie für dieses niedrige Risiko erwarten lässt. Dieses Phänomen mag auf den ersten Blick unplausibel erscheinen, wurde in der Wissenschaft aber unzählige Male bestätigt. In der Praxis neigen diese Low-Volatility-Aktien dazu, in starken Aufwärtsphasen einem marktneutralen Gesamtmarktindex für Industrieländer – wie dem MSCI World Standard Index für große und mittlere Unternehmen – hinterherzuhinken. Dafür zeigen sie in Abwärtsphasen systematisch geringere Verluste.

Über den gesamten Marktzyklus hinweg erzielen Low-Volatility-Aktien statistisch gesehen Renditen, die sich etwa auf einem vergleichbaren Niveau mit dem marktneutralen Gesamtmarkt bewegen – dies jedoch bei einer geringeren Volatilität und einem reduzierten maximalen Drawdown. Diese vorteilhafte Eigenschaft ist jedoch wahrscheinlich keine risikofreie Mehrrendite, sondern lässt sich wissenschaftlich erklären: Namhafte Finanzforscher gehen davon aus, dass die Low-Volatility-Prämie kein isoliertes Phänomen ist. Vielmehr ist sie eine direkte Folgeerscheinung aus der Kombination anderer grundlegender Prämien wie Value, Quality und Investment.

Low-Asset-Growth-Prämie (Low-Investment-Prämie)

Die Faktorprämie Investment beschreibt das wissenschaftlich dokumentierte Phänomen, dass Unternehmen mit einer zurückhaltenden und umsichtigen Investitionspolitik langfristig oft höhere Aktienrenditen erzielen als Konzerne mit expansiven Großinvestitionen.

Hohe Investitionen in zurückliegenden Zeiträumen von etwa 24 Monaten führen zu einem steigenden Bilanzwachstum. Ein solch hohes Wachstum der Bilanzsumme steht statistisch jedoch in einem negativen Zusammenhang mit künftigen Aktienrenditen und führt zu einer Unterrendite – was insbesondere für kleinere Unternehmen gilt.

Grund hierfür ist, dass stark expansive Investitionsausgaben (engl.: „capital expenditure“) – wie die Durchführung von Großprojekten, die Übernahme von Konkurrenzunternehmen oder der Ausbau von Hauptverwaltungssitzen – das Risiko unrentabler Kapitalallokationen bergen, welche die künftigen Gewinne belasten können.

Demgegenüber weisen Unternehmen mit einer defensiveren Investitionspolitik ein niedrigeres Bilanzsummenwachstum auf, das statistisch gesehen zu einer höheren Aktienrendite beiträgt. Unternehmen mit hohem Bilanzsummenwachstum werden mithilfe eines systematischen Screenings folglich bestmöglich herausgefiltert, um diese negativen Effekte für das Portfolio im Vorfeld konsequent zu vermeiden.

Fazit

Mit dem Verständnis der sechs in dieser Reihe beschriebenen Kernfaktoren verfügen Sie nun über das wissenschaftliche Fundament der modernen Kapitalmarktforschung. Ein professionelles, evidenzbasiertes Depot nutzt die in der Reihe wissenschaftlich dokumentierten Faktoren über ein streng regelbasiertes Anlagekonzept konsequent und emotionsfrei. Statt auf kurzfristige Marktprognosen oder spekulatives Stock-Picking einzelner Titel zu setzen, partizipieren Sie so dauerhaft, kosteneffizient und steueroptimiert an den robustesten Renditetreibern der Weltwirtschaft.

Ausblick

Im nächsten und abschließenden Teil unserer Reihe werfen wir einen Blick hinter die Kulissen der realen Portfoliokonstruktion. Erfahren Sie, wie diese einzelnen Faktoren präzise zu einem funktionierenden und harmonisch aufeinander abgestimmten Gesamtportfolio in Ihrem Depot zusammengesetzt werden können.

  1. Black, F. (1972): Capital Market Equilibrium with Restricted Borrowing. In: The Journal of Business, Vol. 45, No. 3, S. 444–455.
    Black, F. / Jensen, M. C. / Scholes, M. (1972): The Capital Asset Pricing Model: Some Empirical Tests. In: M. C. Jensen (Hrsg.), Studies in the Theory of Capital Markets. New York, S. 79–121. ↩︎
  2. Haugen, R. A. / Heins, A. J. (1975): Risk and the Rate of Return on Financial Assets: Some Old Wine in New Bottles. In: Journal of Financial and Quantitative Analysis, Vol. 10, No. 5, S. 775–784. (Erste Entwürfe bereits 1972 über das Center for Research on Program Policy der University of Wisconsin). ↩︎

Wichtiger rechtlicher Hinweis: Die im Rahmen dieser Blogreihe bereitgestellten Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und allgemeinen Aufklärung über wissenschaftliche Kapitalmarktmechanismen. Sie stellen ausdrücklich keine Anlageberatung, keine steuerliche Beratung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Jedes Investment am Aktienmarkt ist mit Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Erträge.